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Ein Weihnachtsgruß
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Liebe Safira,

wir wünschen Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise Deiner Lieben und hoffen, dass Du noch viele solche schöne Stunden erleben kannst. Weißt Du noch, wie es war, Weihnachten vor zwei Jahren? Einige Tage vorher stand ein älteres Ehepaar mit Dir auf dem Arm vor der Tür und erzählte uns, Du hießest Safira, seiest eine 14 Jahre alte Perserdame und bei ihnen aufgewachsen. Eine etwas schwierige Katze solltest Du sein, mäkelig im Fressen, und das Kämmen sei sowieso unmöglich. Geschoren worden warst Du immer, 14 Jahre lang, unter Vollnarkose, jedes halbe Jahr. Jetzt hätten plötzlich alle beide eine Allergie bekommen und müssten Dich leider abgeben. Die Lüge stand wie ein gefrorener Block zwischen uns in der kalten Dezemberluft.

Du kamst in unser Saunazimmer. Wir hatten schon Notfallplätze eingerichtet – für die Abgabetiere nach Weihnachten. Du musstest mal wunderschönes Fell gehabt haben. Jetzt war es eine einzige Filzplatte. Du konntest kaum laufen, so hat es geziept und gezogen. Wir haben Dir vorsichtig die Fellplatten entfernt – merkwürdig, bei uns ging es ohne Narkose – und dann sahen wir erst das Ausmaß der Bescherung. Du warst so dünn, dass wir uns wunderten, dass Du noch lebst. Du wolltest nichts essen, egal was wir versuchten: Rinderhack, Fisch, Creme fraiche, Putenbrustfilet, Katzenfutter schon gar nicht. Wir mussten mit Dir in die Klinik, Du musstest zwangsernährt werden. Die Ärzte hatten Dich aufgegeben, aber wir haben uns geweigert, zu Weihnachten eine Katze ins Regenbogenland zu schicken und haben Dich wieder mitgenommen. Wir haben Schichten eingeteilt, damit immer jemand bei Dir sein konnte. Und plötzlich wolltest Du Käse-Tabs! Nach einem Tag mit diesen Tabs und in Sahne zerstoßenen Milchdrops hast Du lautstark nach „was Richtigem“ verlangt. Das war unser schönstes Weihnachtsgeschenk!

Von da an ging es aufwärts, auch wenn es erst nicht so klang. Zwei Wochen später fuhren wir wieder in die Klinik und haben Dich gründlich durchchecken lassen. Abgabetiere nach so langer gemeinsamer Zeit haben meist einen düsteren Hintergrund. Und tatsächlich: in Deiner Lunge wuchs etwas, was da nicht hingehörte. Operation sinnlos. Trotzdem würde die Behandlung teuer werden, wenn es Dir erst mal schlecht ginge. Das hatten offenbar auch Deine alten Besitzer mitbekommen. Aber es ging Dir nicht schlecht. Es ging Dir immer besser. Du sahst zwar momentan nicht so hübsch aus, benahmst Dich aber schon wieder wie eine Diva. Leider hast Du unseren wundervollen, selbst gehäkelten rosa-grauen Pullover verschmäht, der so gut zu Deinem hellen Kopf und den blauen Augen gepasst hätte. Wir haben die Sauna nur für Dich geheizt, weil Du so eine Zitter-Liesel warst. Als es wärmer wurde, hast Du oben auf der Sauna residiert und Dich in der Wärme der Lampenspots gesonnt. Nur Deine Haare wollten und wollten nicht nachwachsen. Auf die Idee, dass Du sie Dir durch die Hitze der Lampen direkt beim Austritt selbst wieder verkohlst, sind wir erst nicht gekommen. Aber schließlich mussten wir Dir die geliebten Strahler wegnehmen. Immerhin war es ja auch Sommer. Dein Fell spross wie Unkraut. Plötzlich warst Du wunderwunderschön. Das hast Du auch bemerkt. Du wurdest etwas zickig. Wir mussten Dich den ganzen Morgen durch das Haus tragen, Deine Vorderfüße über unsere Schulter gehängt. Und wehe, wir mussten Dich absetzen! Langsam wurdest Du ein kleines bisschen lästig.

Ein Jahr war vergangen, und dann kam eine Frau. Wir haben uns gewundert, denn solche Frauen finden normalerweise den Weg zu uns nicht. Sie fuhr ein dickes Auto, sie hatte ein großes Haus und ganz viel Geld. Und sie suchte als Weihnachtsgeschenk für ihren Perserkater eine Katze, die besonders viel mitgemacht hatte. Die Frau und Du wart sofort ein Herz und eine Seele. Die Frau hat nicht danach gefragt, ob Du vielleicht nächstes Jahr stirbst, weil Du mittlerweile schon 15 Jahre alt warst, oder ob eine Klinikbehandlung wegen des Tumors Hunderte von Euros kosten würde. Sie hat Dich auf der Stelle mitgenommen. Sie meldet sich regelmäßig bei uns und  erzählt uns von Dir, wie glücklich Du aussiehst, wenn Du hoheitsvoll auf dem Kamin sitzt und die Geschäftsrunde beim Abendessen beobachtest.

Bald ist wieder Weihnachten. Fast ein Jahr bist Du schon in Deiner neuen Residenz. Du bist nicht kränklich, Du bist nicht mäkelig, und Du bist nicht zickig. Und kämmen lässt Du Dich außerdem. Wir wünschen Dir viele schöne Geschenke und ein tolles Neues Jahr!



Deine Guxhagener Katzenhilfewp81fe4d83.png
Dagmar Hollenstein







© Dagmar

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